MediaCulture-Online Blog

25.04.2016 | Gerhard Esser und Simon Kirschner

„Auf den Schirm!“ oder: Drahtlose Bildschirmübertragung im Unterricht

Kein Unterricht ohne Medieneinsatz

Bild: Gerhard Esser/LMZ

Ohne technische Hilfsmittel kommen wir selten im Unterricht aus. Der Grund dafür ist klar: Veranschaulichung. Alle Bestrebungen beim Medieneinsatz im Unterricht münden letztlich hierin zusammen. Und dabei ist es gleich, welches konkrete Einsatzszenario wir Lehrer im Blick haben: Vermittlung von Unterrichtsinhalten, Veranschaulichung von Vorgängen in Experimenten, Tafelersatz, Ergebnisse präsentieren/vergleichen, Besprechung von Hausaufgaben bis hin zu den Bildern der letzten Klassenfahrt.

 

Der Tageslichtprojektor hat zwar noch nicht ausgedient, dennoch wirkt er mittlerweile mehr als angestaubt in unseren Klassenzimmern. Heute brauchen wir eine Kombination aus Laptop, Beamer und Lautsprecher mit Anbindung an das pädagogische Netzwerk der Schule und das Internet. Wer es aber noch schicker möchte, der projiziert seine Inhalte vom Tablet/Smartphone auf den Beamer und bringt auf diese Weise Dynamik in seine Inhalte.

 

Was in der Theorie so einfach daherkommt, erweist sich aber in der praktischen Umsetzung als weniger trivial. Die Stolpersteine sind zahlreich:

  • Firmware
  • Betriebssystem (Version?)
  • Bildschirmauflösung des Beamers
  • Verbaute Grafikkarte
  • WLAN

Dennoch: Wer die Sache richtig anpackt und sich an ein paar Grundregeln in der Planung hält, wird zum ersehnten Ziel kommen – und darüber hinaus eine zeitgemäße Medienausstattung an der Schule haben (siehe Medienentwicklungsplan).

 

Doch zurück zum eigentlichen Vorhaben. Wie gelingt das in der Praxis? Welche Voraussetzungen sind notwendig? Lohnt sich der Aufwand überhaupt, oder greife ich am Ende doch auf das altbewährte Kabel zurück?

Ganz kurz zur Technik

Wir sind genau diesen Fragen nachgegangen. Der Markt bietet die unterschiedlichsten Lösungen zur Bildschirmübertragung an. In dieser Fülle jedoch offenbaren sich mithin die Probleme.

 

Und da sind wir bereits mitten im Geschehen. Welche Übertragungsarten gibt es? Beim Zielgerät angefangen, bestehen wir auf einen zeitgemäßen HDMI-Eingang, der sowohl Bild als auch Ton verarbeitet. Die Funkstrecke wird dann über DLNA, Airplay oder Miracast (Funk-Standards zur Übertragung von hochauflösenden Videos) überbrückt. Die signalgebende Hardware muss einen dieser Standards beherrschen. Um dies zu gewährleisten, muss bei vielen Sticks eine spezielle App installiert werden, was den Einsatz in der Schule zumindest bedenklich macht.

 

Die Fülle der mobilen Endgeräte setzen auch dem BYOD (Bring Your Own Device) schnell enge Grenzen. So konnten wir durchaus beobachten, dass die Inhalte eines Android-Smartphone problemlos wiedergegeben wurden, während das Tablet mit identischer Softwareversion sich gar nicht erst mit dem Adapter verbinden ließ.

Was haben wir untersucht?

Bei unseren Testungen haben wir exemplarisch fünf Lösungen herausgegriffen. Gleich vorneweg: Die „eierlegende Wollmilchsau“, die alles kann und mit allen Systemen einsetzbar ist, gibt es nicht. Zumindest nicht im realistischen Belastungstest im Schulgebrauch, auch wenn bei der Suche im Internet die ein oder andere Wundertüte angeboten wird.

 

Nehmen wir an dieser Stelle den Microsoft Wireless Display Adapter (MWDS). Einmal am Deckenbeamer installiert, verrichtet er dort oben zusammen mit dem Microsoft Surface 3 Pro anstandslos seine Dienste. Bild und Ton werden synchron und flüssig übertragen, während man mit dem Tablet in der Hand durch den Raum wandelt, Filme steuert, anhält und beispielsweise Anmerkungen einzeichnet. Mit einem Dell Venue Pro 11, i3 funktionierte das seltsamerweise nicht, bis der MWDS-Adapter (!) eine aktualisierte Firmware erhielt. Darauf muss man erst mal kommen (und dann auch noch eine Internetverbindung haben usw.). Toll ist die Funktion, dass sich jeder Schüler ohne Schwierigkeiten auf dem Adapter anmelden und seinen Bildschirm übertragen kann. Jedoch erlaubt der Adapter keine Verwaltungsmöglichkeiten, um derlei Aktivitäten einzuschränken.

 

Der Actiontec ScreenBeam verfügt über genau diese Art von Managementfunktion, lässt sich derzeit aber in der gesamten Funktionsweite nur mit ausgewählter Hardware ausreizen (Intel Pro WiDi). Schulen können die neuesten Geräte von Actiontec kostenlos und unverbindlich testen (Anfrage für eine Testung an der Schule über www.screenbeam.global/trial). Der ScreenBeam holt sich seine Energie aus der Steckdose (230V). Vor der Anschaffung ist also zu prüfen, ob eine Stromversorgung in der Nähe des Einsatzortes von ScreenBeam zur Verfügung steht. In der Businessausführung hat der Lehrer alle erdenklichen Möglichkeiten der Verwaltung in der Hand respektive in seinem Gerät.

 

Der EZ Cast pro HDMI-Streaming-Stick besitzt ebenfalls eine Managementfunktion. In diesem Fall wird dies über eine App gelöst, die beim Verbinden helfen soll. Die Oberfläche wirkt sehr aufgeräumt und ist intuitiv. Zahlreiche andere Funktionalitäten, wie z.B. die parallele Übertragung von zwei Geräten, kann von hier aus bequem verwaltet werden. Das Herausragende bei dieser Lösung: laut Hersteller werden alle gängigen Systeme unterstützt. Wir haben den Versuch gemacht: Die Bildschirminhalte von einem iPhone und einem Sony Xperia Z1 Compact ließen sich nach Installation der App durchaus in wenigen Schritten am Beamer abbilden. Möglich wird dies durch die Unterstützung von AirPlay, Miracast und DLNA. Bei unseren Versuchen kam es allerdings zu Systemabstürzen auf Seiten des Smartphones. Die Stromversorgung sollte über die Steckdose erfolgen. Ebenso ist eine stabile WLAN-Verbindung notwendig.

 

Das Apple-TV erfreut sich schon seit vielen Jahren großer Beliebtheit in der Welt von iOS und OSX. Mithilfe dieser Lösung lässt sich sowohl eine Peer-to-Peer-Verbindung direkt herstellen, als auch eine Verbindung über ein W-LAN-Netz, welches im Idealfall eine Verbindung zum Internet hat, es jedoch nicht zwingend erfordert. Mit der Vergabe von Passwörtern lässt sich in der Zugriff in Grenzen steuern.

 

Eine reine Softwarelösung stellt schließlich das System Reflector 2 dar, welches für alle gängigen Betriebssysteme angeboten wird. Diese Variante kann in einer Umgebung interessant sein, in der bereits ein Computersystem mit Anschluss an einen Beamer oder Vergleichbares vorhanden ist. Hier wird im Prinzip das Signal des Tablets oder Smartphones durch den aktiven PC durchgeschleust und an der angeschlossenen Projektionsfläche dargestellt. Reflektor 2 muss dazu auf dem PC installiert sein und laufen. Zwingende Voraussetzung ist hier allerdings ein leistungsstarkes und stabiles WLAN. Diese Variante haben wir bislang nicht in größerem Umfang testen können.

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Zusammenfassung

Offensichtlich finden sich gute und brauchbare Lösungen, wenn man sich genau auf die eingesetzten Hardware-Komponenten festlegen kann. Lehrer Müller hat im Fachraum einen Beamer an der Decke und verwendet sein eigenes Android-Tablet zum Streaming. Er wird dafür eine gut funktionierende Lösung finden. Möchte allerdings Kollegin Mayer ebenfalls mit dieser Lösung arbeiten, hat sie u.U. Probleme, wenn sie ein Endgerät mit einer älteren Android-Version oder gar einem anderen Betriebssystem besitzt.

 

In der Tabelle haben wir die wesentlichen Punkte aufgeschlüsselt und gegenübergestellt.

Unsere Empfehlung

Eine kabellose Allround-Musterlösung für schulische Einsatzszenarien gibt es nicht. Alle von uns getesteten Geräte und Softwarelösungen sind hierfür zu fehleranfällig bzw. unterstützen nicht alle Systeme. Aber das ist ja möglicherweise auch gar nicht nötig.

 

Für ein Windows-System lohnt sich die Anschaffung des Microsoft Display Adapters. Er ist für ca. 70€ zu haben und schnell installiert. Mit frischer Firmware und aktuellem Windows sollte der Projektionsspaß gelingen. Außerdem arbeitet der Stick mit vielen Androidgeräten zusammen. Sollen iOS-Geräte eingesetzt werden, ist die Anschaffung eines Apple-TVs (3rd Generation) für ebenfalls 70€ die erste Wahl.

Drahtlos – aber mit Kabel

Wer diese Geschichte – zum jetzigen Stand der Technik - nachhaltig angehen möchte plant besser mit Kabel als ohne. Wenn bei der Ausstattung der Räume frühzeitig auf diesen Umstand geachtet wird, empfehlen wir die Planung eines entsprechenden Anschlussfeldes mit den Anschlüssen HDMI, VGA, Cinch und AUX in Verbindung zu Beamer und Lautsprechern in Pultnähe (z.B. Ligawo HDMI Switch). Die Kabel befinden sich in Kabelkanälen, die einen Austausch bzw. Ergänzung ermöglichen, wenn sich die Standards im Laufe der Zeit ändern sollten. Und nicht vergessen: Steckdosen kann man dort nie genug haben. So kann jeder bequem und sicher auf Beamer und Boxen zugreifen und hat nur (s)einen passenden Adapter in der Tasche.

 

Noch Fragen?

 

Ihr zuständiger Schulnetzberater (SNB) oder Medienpädagogische/-r Berater/-in hilft gerne weiter.

Computer / Hardware, Interaktive Whiteboards, Lehrkräfte, Smartphone / Tablet

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