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07.03.2011 | Jiří Hönes

Robert-Bosch-Schule Feuerbach: Lehrerstimmen zum Whiteboard-Einsatz

Bild: © RBS aktuell

Die Robert-Bosch-Schule in Stuttgart-Feuerbach wurde zu Beginn des laufenden Schuljahres mit Interaktiven Whiteboards ausgestattet. Nach den ersten Einsatzmonaten hat Alexander Gregor für die Hauszeitschrift RBS Aktuell die Lehrkräfte der Schule nach ihren Erfahrungen mit den Geräten befragt. Die Statements wurden uns freundlicherweise zur Veröffentlichung im MCO-Blog überlassen. Lesen sie selbst, was das Kollegium über den Board-Einsatz berichtet:

Helmut Geiger, Administrator

 

Eigentlich haben wir in den ersten Wochen wenig Probleme gehabt bei der Vielzahl von Stunden, die wir für die Vorbereitung, die Schulungen und die praktische Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen brauchten. Festzustellen ist, dass das Kollegium die Vorteile erkennt: Kein Tafeldienst, kein Kreidestaub, einfaches Abspeichern des Tafelbildes, die Nutzung von Grafiken wird erleichtert, Online-Aktivitäten lassen sich leicht integrieren usw...

 

Aber ich sehe auch die andere Seite. Es gab zum Teil technische Störungen, wenn eine Tafel nicht auf den Stift reagiert. Da muss man systemimmanent nachbessern. Bei Unterrichtsbeginn in der ersten Stunde müssen das Gerät und das Notebook eingeschaltet werden. Dadurch entsteht ein Zeitverlust von ca. zwei Minuten. Eine mögliche Optimierung könnte die Verwendung schnellerer Notebooks sein. Wir sollten auch noch mehr Energie einsparen, indem wir die Beamer nach Gebrauch ausschalten. Wir werden auf jeden Fall noch weitere Schulungen anbieten, um methodisch didaktische Vorteile noch intensiver nutzen zu können.

 

Aus meiner Sicht sind Computer und ActivBoards im Unterricht nicht mehr wegzudenken. Ich bin mir sicher, dass sie verstärkt zum Einsatz kommen werden.

 

Ein Tipp: Fachbuchverlage bieten jetzt schon ausgearbeitete Unterrichtseinheiten mit kompletten Tafelaufschrieben an. Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Ich halte eine akustische Menüführung in absehbarer Zeit nicht für ausgeschlossen.

 

Bernhard Steidle, Abteilungsleiter

 

Das ActivBoard ist eine gute Sache. Ich finde eine saubere Tafel vor, der Aufruf von Tafelaufschrieben der letzen Stunde ist problemlos, so dass der Unterrichtsinhalt nahtlos weiter vermittelt werden kann. Klar werden die vielen Möglichkeiten noch nicht voll genutzt. Zeichnungen, die man selbst anfertigt, sollte man im Vorfeld erprobt haben. Ideal ist die Farbgebung zur Kenntlichmachung und Hervorhebung. Ein weiterer Pluspunkt: Bei der Arbeit am Laptop kann man die Klasse im Auge behalten.

 

Ein kritischer Aspekt: Die Grundeinstellung war nicht optimal, zum Teil gab es eine falsche Kalibrierung, die aber über ein Totalreset zu beheben war. Die Arbeit mittels Kamera ist mit Einschränkungen ein guter Medienwechsel, eventuell auch ein guter Ersatz, falls das ActivBoard einmal ausfallen sollte. Insgesamt kann ich feststellen, dass die ActivBoards zu einer hohen Schüleraktivität führen, das kommt der Wissensaufnahme zugute.

 

Markus Zendath

 

Ich bin vor Kurzem gefragt worden, ob ich die ActivBoards schon mal verflucht habe. Ich kann das verneinen, denn ich bin ein digital vorbereitender Lehrer, der sich auf die ActivBoards gefreut hat. Das Handling funktioniert grundsätzlich ausgesprochen gut. Besonders gefällt mir, dass ich in die von mir erstellten Vorlagen direkt reinschreiben kann, ich bin bei verwertbaren Schülerantworten besonders flexibel und kann diese gleich aufnehmen.

 

Nun zu den Schwachstellen: Die Mechanik zu den elektrischen Verbindungen ist nicht gesichert, d.h. es kann Manipulationsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler geben. Die ActivBoards haben keinen mechanischen Aus- und Einschalter, sie sind also immer ans Netz angeschlossen, im Standby. Manchmal besteht ein Übergangsproblem, je nachdem wie der vorher unterrichtende Lehrer das ActivBoard verwendet hat. Manche Kollegen tun sich noch schwer, weil sie zum Teil ihren Unterricht neu gestalten und neu aufbauen müssen. Den Schülern fällt auf, wie unterschiedlich die Kolleginnen und Kollegen die ActivBoards einsetzen.

 

Ein Hinweis: Es können auch zeitgleich zwei Schüler mit dem ActivBoard arbeiten, wenn sie mit Schüler- und Lehrerstiften schreiben. Allerdings haben wir bisher noch keine Schülerstifte ausgeteilt.

 

Wilfried Behm

 

Ich habe zu dem Thema nur eine kleine Anmerkung: Die Fön-Funktion des Beamers ist zwar in Kopfhöhe angebracht, sie bringt aber eigentlich nur etwas, wenn man nasse Haare hat. Ansonsten ist das ständige Geräusch nicht gerade wohltuend.

 

Gerhard Anders

 

Ich arbeite immer lieber mit dem ActivBoard, je mehr ich mich damit beschäftige. Hauptvorteil: Alles ist gespeichert, man kann kurz eine Zwischentafel aufrufen, d.h. man hat einerseits viel Platz, da unbegrenzte Fläche zur Verfügung steht. Andererseits ist die Tafelfläche kleiner als auf einer Kreidetafel alten Standards. Da ist der Prozess der Umgewöhnung noch nicht abgeschlossen.

 

In den Reihen der Schülerinnen und Schüler kommt das ActivBoard super an. Die meisten hier sind technikbegeistert. Sie erkennen das Potenzial. Die Kritiker sind eher in der Minderheit. Da ist zu hören, dass der Tafelanschrieb oft länger dauert, weil die Lehrer teilweise noch nicht so mit dem ActivBoard vertraut sind oder das Notebook zu langsam arbeitet. Ein wichtiger negativer Punkt ist für mich der erhöhte Energieverbrauch, der bei der übernächsten Strom-Jahresabrechnung bemerkbar sein müsste.

 

Ich selbst sehe u.a. einen Nachteil bei der Software, die das Scrollen (um den Tafelbereich zu vergrößern) nur bedingt zulässt, so dass eine neue leere Seite aufgerufen werden muss. Der Cursor bleibt dabei am Tafelende und stellt sich nicht selbst neu ein. Wenn man vom Schreiben zum Markieren wechselt oder Linien ziehen will, ist der Übergang nicht immer flüssig, u.a. deshalb weil die Klicks nicht immer zuverlässig angenommen werden.

 

Mein Fazit: Ich bewerte das ActivBoard alles in allem positiv, toll ist, dass ich Bilder aufrufen, kommentieren und bearbeiten kann.

 

Uli Helble

 

Ich habe mich mittlerweile gut eingearbeitet, so dass ich auch einige Features verwenden kann. Mit den Schulungen, die die Lieferfirma bzw. der Hersteller durchführen sollte, bin ich insofern unzufrieden, da Aktivitäten vereinbart und bezahlt wurden, die Fortbildungen wurden aber noch nicht angeboten. Insgesamt ist das der richtige Weg für die Zukunft einer modernen Schule. Meine Anregung: Die Kollegen, die noch zögern, sollen den Stift in die Hand nehmen und an der Tafel arbeiten.

 

Berthold Gauxmann

 

Grundsätzlich mache ich meinen Tafelanschrieb digital, ich verwende Sonderfunktionen, Linien, Diagramme. Ein Manko ist, dass die Kamera und das ActivBoard nicht gleichzeitig nutzbar sind. Die Standard-Tafel war in dieser Hinsicht flexibler. Das viele Hin- und Herschalten ist aufwändiger.

 

Rainer Mertens

 

Besonders attraktiv ist für mich der Folieneinsatz. Ich öffne zum Beispiel ein Dokument, im aktuellen Fall einen Verlaufsplan im Fach BT, dann öffne ich den Activ Inspire, nehme die Auswahl Desktop Annotation und schiebe eine transparente Folie über den Plan, also mein Arbeitsblatt und kann dann darauf schreiben und mit dem Textmarker unterstreichen, hervorheben oder sogar Textfelder einfügen und weitere schöne Spielereien. Auch die Schülerinnen und Schüler können die Folie am ActivBoard ausfüllen. Für mich ist das ein ideales Medium im Unterricht.

 

Samuel Kuhn

 

Ich benutze den Stift relativ wenig. Ich führe im Fach Religion mehr Unterrichtsgespräche und kann gleichzeitig die Ergebnissicherung vornehmen und am Computer schreiben. Die Funktionen sind gut, insgesamt ist das eine gelungene Sache. Angenehm empfinde ich, dass ich den Schülern beim Schreiben nicht mehr den Rücken zukehre, sondern mit der Tastatur das Wesentliche festhalte. Gut für mich ist auch, dass ich keine Folien mehr kopieren muss. Das ist eine deutliche Zeitersparnis. Im Übrigen habe ich auch keine religiösen Bedenken... (Anmerkung der Redaktion: Er schmunzelt.)

Interaktive Whiteboards, Lehrkräfte, Sekundarstufe

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