MediaCulture-Online Blog

13.10.2010 | Jiří Hönes

Neues für das Whiteboard auf der Frankfurter Buchmesse

© Frankfurter Buchmesse

Digitale Medien gehörten zu den Schwerpunktthemen der Frankfurter Buchmesse 2010 – auch im Bildungsbereich. Im Rahmen des 2006 gestarteten Themenschwerpunkts Zukunft Bildung gab es auch in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen und Produktvorstellungen in Zusammenhang mit E-Learning oder dem Digitalen Klassenzimmer. Rund um den Education Hot Spot in Halle 4.2 gruppierten sich Technologieanbieter und Bildungsverlage, um neue Konzepte für das Lernen im digitalen Zeitalter zu präsentieren. Auch anderswo waren interessante Neuheiten wie Software für Interaktive Whiteboards zu entdecken. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit sollen hier einige Exponate und Angebote verschiedener Aussteller vorgestellt werden.

SMART Technologies, Calgary / Kanada

Als einziger der großen Whiteboard-Hersteller war der kanadische Konzern SMART Technologies auf der Buchmesse vertreten. Neben den Boards an sich waren auch alle Zusatzgeräte vor Ort: die Dokumentenkamera, Lautsprecher und das neue interaktive Eingabepad SMART Slate.

© SMART Technologies

SMART Slate – Steuerung des Boards auch aus den hinteren Reihen

 

Hierbei handelt es sich um ein interaktives Eingabepad, mit dem das Board aus bis zu 16 m Entfernung gesteuert werden kann. So lässt sich das Tafelbild auch aus den hinteren Reihen schnell editieren – durch die Lehrperson oder durch Schülerinnen und Schüler. Zudem ist es möglich, gleichzeitig am Board und am SMART Slate zu arbeiten. Das Gerät verfügt über ein etwa 17 x 11 cm großes Eingabefeld und einen batterielosen Stift. Nach Herstellerangaben reicht der Akku für etwa 24 Stunden und kann über USB geladen werden.

© SMART Technologies

SMART Table: „Multitouch-Multiuser-Lernzentrum“

 

Auf der Messe bot sich zudem die seltene Möglichkeit, den SMART Table näher unter die Lupe zu nehmen. Dieses Multitouch-Multiuser-Lernzentrum (Eigenbezeichnung) wurde für Gruppenarbeitsphasen in unteren Klassenstufen entwickelt: Auf dem Touchscreen können verschiedene Anwendungen durch bis zu vier Kinder gemeinsam bedient werden. Das 91,5 x 74 cm große und 65,4 cm hohe Gerät kann gleichzeitig bis zu 40 Berührungen verarbeiten und ermöglicht so beispielsweise das gemeinsame Bearbeiten von einfachen Mathematikaufgaben. Der SMART Table ist werkseitig mit verschiedenen Grundfunktionen wie etwa einer Algebra-Software ausgestattet. Eine mitgelieferte Software ermöglicht das Erstellen von Zuordnungsaufgaben, Puzzles oder Multiple-Choice-Aufgaben am PC.

 

Das Gerät ist sehr intuitiv bedienbar und somit für den Einsatz im Anfangsunterricht geeignet. Die Mathematik-Software ermöglicht zum Beispiel das Eingeben von Additions- und Subtraktionsergebnissen durch Auflegen der entsprechenden Anzahl an Fingern. Bei Ergebnissen > 10 ist hierbei Kooperation gefragt. Weitere Anwendungen sehen beispielsweise die Zuordnung von Wörtern zu entsprechenden Körperteilen oder auch einfache Bildbearbeitung vor. Durch Lehrerinnen und Lehrer editierte oder selbst erstellte Anwendungen können bei SMART Exchange ausgetauscht werden – für Deutschland ist dort allerdings im Moment nur eine Anwendung vorhanden.

© SMART Technologies

Die Entwickler legten wegen des Einsatzgebiets besonderen Wert auf Robustheit, die Oberfläche ist kratzsicher, wasserfest und lässt sich mit gewöhnlichem Glasreiniger säubern. Alles in allem ist der SMART Table ein schickes Gerät, das durchaus didaktisch sinnvoll eingesetzt werden kann. In Anbetracht der Medienausstattung deutscher Schulen stellt sich jedoch ernsthaft die Frage, welchen Platz der elektronische Tisch auf der Prioritätenliste einnehmen wird – nice to have, wenn man ihn sich leisten kann.

 

SMART Table Demovideo

STIEFEL interaktiv, Lenting / BrainBoard, Wiesbaden

Der traditionelle Hersteller von Wandkarten aus Bayern war auf der Buchmesse unter anderem mit einem Stand am Education Hot Spot vertreten. Neben Komplettlösungen für Interaktive Whiteboards der Marke Qomo, die mit Beamer, Pylonen und Montage angeboten werden, hat das Unternehmen auch eine Lösung im Angebot, die ausschließlich mit einem Beamer und einer herkömmlichen Weißwandtafel auskommt.

 

Interaktiver Beamer als Alternative zur elektronischen Tafel

 

Ausgestellt war das Modell MP780ST der Marke Benq, ein interaktiver Beamer, der in Kombination mit einem Funk-Stift und einer beliebigen weißen Oberfläche zur kostengünstigeren Alternative zu einem Interaktiven Whiteboard wird. Über den Stift lassen sich alle Funktionen des angeschlossenen PCs bedienen, die Reichweite beträgt bis zu 8 m. Für den Beamer ist keine Treibersoftware erforderlich, ebenso muss er nicht kalibriert werden – so lässt er sich relativ problemlos an verschiedenen Orten einsetzen. Der haptische Bedienkomfort hängt dabei natürlich von der als Projektionsfeld verwendeten Oberfläche ab und kommt nicht ganz an ein Interaktives Whiteboard heran. Der Vorteil an dem System ist, dass die als Projektionsfläche verwendete Weißwandtafel auch mit Stiften beschrieben werden kann. Der Beamer muss als nur dann in Betrieb genommen werden, wenn auch wirklich mit Software gearbeitet wird.

 

WIZTEACH – Tool-Sammlung für den Mathematikunterricht

 

Präsentiert wurde der interaktive Beamer mit der Software WIZTEACH der Wiesbadener Firma BrainBoard. Hierbei handelt es sich um eine interaktive Tool-Sammlung zur Erstellung und Bearbeitung von Aufgaben für den Mathematikunterricht in den Klassenstufen 3 bis 7. Die Software ist auf allen Interaktiven Whiteboards sowie mit Laptop und Beamer einsetzbar. Wie bei den meisten Whiteboard-Programmen stehen verschiedene Hintergründe zur Verfügung, so etwa Karos, Linien etc., es ist jedoch auch möglich, direkt auf der Oberfläche anderer laufender Programme zu arbeiten.

 

Neben den gängigen Zeichenfunktionen wie Stift, Linientool, Formen, Marker sowie von anderen Boardprogrammen bekannte Präsentations-Hilfsmittel wie Vergrößerungsglas, Spotlight und Vorhang, stellt WIZTEACH zahlreiche mathematische Tools zu Verfügung. Mit Zahlen und Rechenzeichen, die frei auf dem Bildschirm verschoben werden können, lassen sich Aufgaben zusammenstellen und lösen. Auch Brüche können in die Aufgaben integriert werden. Weiterhin stehen Abakus, Zahlenstrahl und Taschenrechner bereit.

 

Im Bereich Geometrie lassen sich allerlei Formen generieren, Tools wie Lineal, Winkelmesser, Zirkel etc. ermöglichen genaues Konstruieren und Vermessen. Mit einer Kamerafunktion lässt sich eine Konstruktion – etwa das Erstellen einer Winkelhalbierenden – aufnehmen und als Video speichern. Ebenso lassen sich Screenshots erstellen, sowohl für den gesamten Bildschirmbereich als auch für einzelne Ausschnitte.

 

Durch die schlichte grafische Darstellung und die zahlreichen didaktischen Möglichkeiten hinterlässt die Software einen sehr positiven Eindruck. Auf all zu kindtümelnde Darstellungen wird verzichtet, die Menüführung ist übersichtlich und die Werkzeuge sind durch eindeutige Symbole gut erkennbar. Bereits nach einer kurzen Einarbeitungsphase kommt man als Nutzer gut mit den Grundfunktionen zurecht.

 

Video-Tutorial zu WIZTEACH

Ernst Klett Verlag, Stuttgart

Interaktive Wandkarten für das Board

 

Neben Tafelbildern im PowerPoint-Format, die sich an den Lehrwerken aus dem Hause Klett orientieren, präsentierte der Stuttgarter Verlag auf der Messe an einem SMART Board seine Interaktiven Wandkarten. Für das Fach Geographie sind in der Reihe schon einige Ausgaben erschienen, so etwa Deutschland, Europa, die Welt und die einzelnen Bundesländer. Die Karten lassen sich komfortabel am Board einsetzen, über die Navigation lassen sich Ausschnitte heranzoomen, ein Navigator-Fenster zeigt die Position des aktuellen Ausschnitts in der Gesamtkarte an. Es steht jeweils eine physische und eine politische Karte zur Auswahl – in der für Schulatlanten typischen kartographischen Darstellung. Eine Zeichenfunktion ermöglicht das Beschriften und Markieren von Objekten direkt am Whiteboard, die Ergebnisse können als Bilddatei exportiert werden. Zudem lassen sich Karten individuell anlegen, der Nutzer kann bestimmte Symbole und Namen ein- oder ausblenden.

 

Demovideo zu den interaktiven Wandkarten

Interaktive Geschichtswandkarte

 

Neu auf der Buchmesse war die Interaktive Geschichtswandkarte Das Römische Reich. Zu den von den Karten für die Geographie bekannten Funktionen kommt hier pro Karte noch eine dynamische Zeitleiste hinzu: Am unteren Rand der Karte ist ein Balken, durch dessen Verschieben räumlich-zeitliche Veränderungen im entsprechenden Gebiet veranschaulicht werden – etwa die Wanderungsbewegungen verschiedener Volksstämme wie Kelten und Germanen. Zudem lassen sich verschiedene Detailkarten mit Infoboxen zu bestimmten Themen einblenden. Auch hier lassen sich Screenshots exportieren, die dann zum Beispiel für Arbeitsblätter verwendet werden können.

 

Leider steht für diese Software noch keine Demoversion zur Verfügung, denn hierbei handelte es sich um das interessanteste Produkt für den Whiteboard-Einsatz aus dem Verlagsprogramm – mit den größten interaktiven Möglichkeiten. Nach Auskunft der Mitarbeiter ist jedoch geplant, in absehbarer Zeit eine solche bereitzustellen.

 

 

© Klett Verlag

Geografie, Geschichte, Interaktive Whiteboards, Lehrkräfte, Sekundarstufe

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*